Damit Sie unsere Internetseite optimal nutzen können, setzen wir nur technisch notwendige Cookies (kleine Textdateien, die auf Ihrem Rechner ablegt werden). Wir sammeln keine Daten zur statistischen Auswertung. Näheres finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Impuls zum 23. Sonntag im Jahreskreis

Mache deine Wohnräume zu einem Ort,

an dem andere immer willkommen sind,

zu einem Haus des Friedens.

Frère Roger Schütz

 

 

 

Der Deutschen wichtigste Frage ist nicht etwa: „Was kann ich tun?“ Oder: „Was muss getan werden?“ Sondern die Mutter aller Fragen: „Wer ist schuld?“, so sagt es der dt. Autor Use Hilsenbek.

Der Virus Covid19 hat Menschen gerade in den reicheren Ländern dieser Erde, wie in Europa, bei uns in Deutschland, auch in Amerika in eine Situation geführt, die sie sich nie haben vorstellen können. Sicherlich gab es schon Seuchen: die Pest im Mittelalter und noch Anfang des 20. Jahrhunderts, die Spanische Grippe, Cholera, Diphterie oder andere Viren, gerade in afrikanischen oder asiatischen Ländern, aber das war stets weit weg und hat die Menschen nicht unmittelbar berührt. Und nun ein Virus, der unsere Welt im wahrsten Sinne des Wortes auf den Kopf stellt, Lockdown, Hamsterkäufe, „Weltuntergangsstimmung“. Es ist eine Situation, in der Menschen spüren, dass der Traum uneingeschränkter Machbarkeit zerplatzt. Weiter, höher, schneller, immer mehr zu haben, wird begrenzt.

Jeder und jede erfährt Grenzen anders – dies ist abhängig von den erlernten Verhaltensformen und Prägungen aus unserer Kindheit und Jugend. Manchmal können Menschen ganz leicht damit umgehen und dann wieder erfahren sie ein Gefühl von Abwehr, Enge und Unbehagen. Es ist schwierig damit umzugehen, es braucht Eigenverantwortung und die – so mein Eindruck – ist zu einem Fremdwort in unserer Gesellschaft geworden. Viel schneller und leichter ist der Weg, den Schuldigen zu deklarieren und den Beschwerdeweg einzuschlagen.

Wer ist schuld? Und was ist Schuld? Und kann jeder schuldig werden?

Schuld entsteht, wenn objektiv bestimmte für alle gültige Werte und Regeln gebrochen werden. Im kirchlichen Raum nennen wir das Sünde. Wobei das auch wieder nicht so einfach ist, denn es gibt auch ein subjektives Schuldempfinden aufgrund erlernter Verhaltensmuster, eigener Wertevorstellungen und Einstellungen, die zu sehen und zu berücksichtigen sind.

Schwierig wird es dann, wenn der Einzelne nicht mehr gesehen und z. B. in dem Sinn gehandelt wird, wenn dein Bruder, deine Schwester sündigt, so schreib möglichst bald eine geharnischten Brief an das Bistum. Oder warte die nächste

Jahresversammlung eueres Vereins ab, und beim Punkt Verschiedenes stell ihn ordentlich in die Senkel.

Wie mit Schuld umgehen, das ist eine wichtige Frage der kleinen Gemeinde des Matthäus am Ende des 1. Jahrhunderts. Bei ihm gibt es zwei Richtungen: Eine mehr persönliche und eine jesuanische: Auf der einen Seite der Traum einer reinen Gemeinde, die sich gesund schrumpft, in der alle Schuldigen „hinausgewiesen“ werden und die Gottesfürchtigen übrigbleiben, auf der anderen Seite eine große Gemeinde, die wie beim Gleichnis von Unkraut und Weizen beide Seiten zusammenwachsen lässt und Gott ist es, der entscheidet. Jesus sagt im heutigen Evangelium: Wenn dein Bruder, deine Schwester sündigt, dann geh hin, und weise sie unter vier Augen zurecht. Gehe unterschiedliche Schritte. Versuche es immer wieder, damit er und sie das Gesicht wahren können, um ihnen 7 mal 77mal eine Chance zu geben sie zurückzugewinnen. Der allerletzte Weg ist der Ausschluss.

Dieses Evangelium fordert heraus, über meinen eigenen Umgang mit Schuld nachzudenken und zu reflektieren, Barmherzigkeit zu üben, Wertschätzung und Anerkennung zu leben, damit in der Gemeinschaft von zwei und drei Jesus Christus gegenwärtig wird.

  • Lesen der Bibelstelle Mt 18, 15-20

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    15Sündigt aber dein Bruder, so geh hin und weise ihn zurecht zwischen dir und ihm allein. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen.

    16Hört er nicht auf dich, so nimm noch einen oder zwei zu dir, damit jede Sache durch zweier oder dreier Zeugen Mund bestätigt werde.

    17Hört er auf die nicht, so sage es der Gemeinde. Hört er auch auf die Gemeinde nicht, so sei er für dich wie ein Heide und Zöllner.

    18Wahrlich, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel gelöst sein.

    19Wahrlich, ich sage euch auch: Wenn zwei unter euch einig werden auf Erden, worum sie bitten wollen, so soll es ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel.

    20Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.

     

     

Gebetsvorschlag

Gott, Schöpfer und Erlöser,

wie gut ist es in Deinen Augen kostbar zu sein

und in Dir, dem Leben meines Lebens leben zu dürfen,

wie gut ist es mit all meinen Grenzen von Dir umfangen zu sein

und bittend mich von meiner Sehnsucht leiten zu lassen,

wie gut ist es so wie ich bin, von Dir angenommen zu werden

und versöhnt neue Lebensmöglichkeiten zu entdecken.

Schenke mir offene Ohren und ein barmherziges Herz

für die Menschen, so fremdartig und anders sie auch sein mögen.

Lehre mich Behutsamkeit und Vergebung,

Liebe, die 7mal 77 mal eine neue Chance eröffnet. Amen.

 

Meditation

KIRCHE

ist lebendig,

in einer Gemeinschaft von zwei oder drei,

im Blick auf den Einzelnen und alle,

mit Wertschätzung und Anerkennung

mit Charismen und Eigenheiten

mit Schuld und Sünde,

mit Vergebung und Versöhnung

mit stets einer neuen Chance

für dich und mich, für uns alle.

 

KIRCHE

eine Gemeinschaft von zwei oder drei

unterschiedlich, vielseitig,

eckig und kantig,

jung und alt,

praktizierend und nicht praktizierend,

da ist Christus gegenwärtig

und begleitet dich und mich und uns alle

erlösend, vergebend, befreiend

hin zur Unendlichkeit,

zur himmlischen Ewigkeit.

 

KIRCHE,

Gemeinschaft von zwei und drei,

die miteinander und füreinander

barmherzig zu zweit und zu dritt

das Leben bewusst glücken lassen.

 

(23. Sonntag im Jahreskreis – Lsj. A. – 06.09.2020 - ©Christian Scheinost)