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Impuls zum 26. Sonntag im Jahreskreis

„VERÄNDERUNG

wird nur hervorgerufen

durch aktives Handeln.“

(Dalai Lama)

 

(Bild: Regensburger Dom:
Darstellung des Hl. Martin /
© Christian Scheinost)

Der eine sehnt sich nach Veränderung, weil er den Eindruck hat, dass sein Leben in einer Sackgasse steckengeblieben ist. Die andere hat Angst davor, weil sie lieber mit bekannten Problemen umgeht, als sich auf neue einzulassen. Veränderung oder nicht, auf beiden Wege sind wir alle – so meine Hypothese – schon gegangen, und dabei mussten wir feststellen, dass sich das Leben sowieso ständig ändert. Die Frage für oder gegen Veränderung stellt sich also nicht wirklich, es ist vielmehr die Frage: In welche Richtung änderst du dich? Und was wäre, wenn Veränderung nicht "einfach so" passieren würde, sondern wenn es einen, wenn es "etwas" gäbe, die dir dabei helfen, so zu werden, wie du sein kannst?

Jeder Mensch trägt in der Tiefe seines Wesens eine Ur-Sehnsucht nach Ganzheit, nach Vollkommenheit. Im ersten Buch der Bibel, im Buch Genesis, in der Erschaffung des Menschen, wird der Grund dieser Sehnsucht deutlich, indem Gott sagt: "Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine ist. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm ebenbürtig ist, die ihn ergänzt." Und wenn wir daran glauben, wie Paulus es ausdrückt im Korintherbrief: "Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?", dann ist diese Suche nicht im Finden eines menschlichen Gegenübers beendet, sondern erst, wenn wir Gott gefunden haben. Der Kirchenvater Augustinus beschreibt es so: "Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, Gott."

Auf diesem Weg der Suche findet Veränderung statt. Davon spricht wiederum Paulus im 1. Korintherbrief: "Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind und urteilte wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, legte ich ab, was Kind an mir war."

Das ist unsere menschliche Wirklichkeit: Das Leben verändert sich in allen Lebensvollzügen, in denen ich mich bewege, in Beruf und Familie, in Staat und Gesellschaft und auch in der Kirche. "Wer stehen bleibt, hat schon verloren." ist der Wahlspruch des alten Marathonläufers, der ihn schließlich bei seinem letzten Rennen bis ins Ziel trägt, der aber auch eine Metapher für das Leben an sich ist. Veränderung ist daher nichts Schlechtes, sondern bringt mich weiter voran. Und wenn ich Veränderung positiv sehen kann, dann führt sie mich zu dem, wie ich sein soll, wie Gott mich gedacht hat.

Im Evangelium dieses Sonntages (Mt 21,28-32) wird die "religiöse Verkrustung" getadelt. Der Apostel Paulus fordert im Römerbrief: "Wandelt euch und erneuert euer Denken!", d.h.: Seid bereit, euer Leben nach der Weisung des Evangeliums zu ändern. Der Botschaft des Evangeliums glauben heißt letztlich nicht, dogmatische Sätze zu kennen und ständig zu wiederholen und von anderen einzufordern, sondern bereit zu sein, sein Leben danach zu gestalten. Es geht Matthäus nicht um eine Beurteilung oder Einordnung in Fromme und Gottlose, Gläubige und Ungläubige, gute oder schlechte Christen, sondern um eine christliche Haltung. Er will seiner Gemeinde damals und uns heute eine Frage ans Herz legen: Bist du tatsächlich offen für das Neue der Botschaft Jesu oder verschließt du dich dieser Botschaft in deinem Verharren auf die eigene traditionelle Perspektive? Bist du bereit, dein Leben immer wieder am Maßstab Jesu zu messen, zu korrigieren und eventuell neu auszurichten?

In Blick auf die Botschaft Jesu, der bedingungslos seine Freunde und seine Feinde liebt, jedem und jeder eine immer neue Chance gibt, können wir, ja "sollten" wir – so meine Hypothese – noch viel lernen für unser Miteinander in unserer Kirche heute und im Miteinander in dieser Welt.

Die Botschaft Jesu in den Alltag meines Lebens zu übersetzen, heißt mich verändern und damit die Welt zu verändern, sie freundlich, gütig, gerecht und liebenswert zu machen.

  • Lesen der Bibelstelle Mt 21,28-32

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    28 Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne.

    Er ging zum ersten und sagte: Mein Kind, geh und arbeite heute im Weinberg!

    29 Er antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn und er ging hinaus.

    30 Da wandte er sich an den zweiten und sagte zu ihm dasselbe.

    Dieser antwortete: Ja, Herr - und ging nicht hin.

    31 Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt?

    Sie antworteten: Der erste.

    Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, ich sage euch:

    Die Zöllner und die Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr.

    32 Denn Johannes ist zu euch gekommen auf dem Weg der Gerechtigkeit

    und ihr habt ihm nicht geglaubt;

    aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt.

    Ihr habt es gesehen und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.

Gebetsvorschlag

Uns bedingungslos liebender Gott,
Du urteilst nicht nach dem Augenschein,
   sondern siehst in unser Inneres.
Du verlangst von uns nicht formales Wohlverhalten –
   sondern dass wir mit dem Herzen zu Dir umkehren.
Du wünscht Dir, dass wir uns durch Dein Wort bewegen, verändern lassen,
   dass wir uns anrühren und ansprechen lassen
   durch die Art und Weise wie Dein Sohn Jesus gelebt hat.
Hilf uns, unseren Weg in Glauben, Liebe und Hoffnung zu gehen,
   und hilf uns, dass unser Glaubensbekenntnis zur Tat werden kann.
Darum bitten wir Dich durch Jesus, unseren Bruder und Herrn,
   der im Heiligen Geist mit Dir lebt und herrscht in Ewigkeit.
Amen.

Meditation

SEI BEREIT,

dein Leben im Blick auf Jesus zu leben,

zu wirken, Taten zu setzen.
 

VERÄNDERE DICH,

um Mensch zu sein und zu werden,

   bedingungslos liebend,

   gütig,

   barmherzig,

   gerecht,

   erlösend,

so wie Gott Dich gedacht hat.


SPÜRE UNRUHE IN DIR,

   suche und finde den und die,

   die dein Leben ganz und vollkommen machen


Im Bereitsein, Verändern und Unruhig sein

   ist Gott bei dir und mit dir,

   und du und ich, wir alle spüren,

   der Himmel ist auf Erden angekommen.


(26. Sonntag im Jahreskreis Lsj A – 24.09.2020 © Christian Scheinost)