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Erntedankfest

Impuls zum 27. Sonntag im Jahreskreis

DANKBARKEIT

lässt Beziehungen

gelingen!

 

(Bild: im Garten des Klosters Seeon) /
© Christian Scheinost)

Dem deutschen Physiker und Meister des Aphorismus Georg Christoph Lichtenberg (1742 -1799) wird folgendes Zitat zugeschrieben: "Der Dank ist für kleine Seelen eine drückende Last, für edle Herzen ein Bedürfnis." Als kleine Seelen, als Kinder wurden wir oft nachdrücklich darauf hingewiesen, wenn wir etwas geschenkt bekommen haben: "Und wie sagt man?" "Danke" kam als Antwort! Als Kinder haben wir - so meine Hypothese - das wohl noch wenig verstanden, was Danke sagen bedeutet. Es war, wie Lichtenberg sagt, eine drückende Last. Viel später erst, mit zunehmender Lebenserfahrung, erkannten wir, dass Danke etwas mit Wertschätzung und Anerkennung, mit Beziehung zu tun hat. Dankbarkeit kann ganz alltäglich sein. Doch sie kann auch eine ganz andere Wirkung haben, uns ein Gefühl geben, Teil eines größeren Ganzen - von Gott - zu sein, dem die Dankbarkeit gilt.

Dankbarkeit sodann ist absichtslos. Sie ist Ausdruck der Freude, etwas geschenkt bekommen zu haben, ohne zu rechnen, welche Gegenleistung dafür notwendig ist. Es ist ein Strömen eines offenen, freudvollen Herzens, das sich an andere verschenken, ausschütten will.

Damit dieses positive Gefühl überhaupt entstehen kann, braucht es zumindest folgendes: "Das Erkennen, dass es da etwas gibt, für das ich dankbar sein könnte.
Das birgt in sich ein Ja zum Leben, ein Anerkennen dessen, dass das Leben gut ist und Gutes zur Verfügung stellt.

Ein zweiter Schritt ist das Eingeständnis, dass dieses Gute außerhalb von mir selbst liegt. Dass es Menschen gibt, denen ich am Herzen liege. Dass das Leben, die Natur, … alles Mögliche anstellt, um mir diese Freude zu machen."

Dankbarkeit schafft eine gelungene Beziehung. Wenn Menschen das Gute ineinander und aneinander wahrnehmen und dankbar in Beziehungen leben, dann erfahren sie Liebe, Harmonie, Glück, Freude. Wenn Menschen nur auf das Negative sehen, auf das, was scheinbar nicht funktioniert, was der andere nicht tut, falsch macht, sind Beziehungen mit Groll, Frustration und Bitterkeit gefüllt.

Dankbarkeit ist der "Schmierstoff des sozialen Gefüges". Sie ist mehr als ein Wort der Anerkennung, als eine "Höflichkeitsfloskel", sie ist eine menschliche Haltung, in der wir uns einander einen Wert zugstehen, eine Einzigartigkeit, in der jeder und jede den von Gott geschenkten Weg gehen darf und zu seiner Lebenswahrheit findet.

An diesem 27. Sonntag im Jahreskreis feiern wir das "Erntedankfest". Jedes Jahr werden Erntedankaltäre in unseren Kirchen aufgebaut, die uns die Fülle der Gaben, die uns Gott durch unserer Hände Arbeit geschenkt hat, sichtbar vor Augen geführt. Doch es wäre fatal bei diesem "Anblick" stehen zu bleiben, das gewohnte Danklied zu singen, zu beten und dann wieder zur Tagesordnung zurückzukehren.

Erntedank will einladen, die Haltung der Dankbarkeit zu einem wichtigen Teil meines Lebens zu machen: Hinsehen und wahrnehmen, die unterschiedlichsten Menschen wertschätzen und anerkennen, helfen und heilen, wo Not ist und die Einzigartigkeit des Menschen mit Füßen getreten wird, Gerechtigkeit schaffen und annehmen.

Mit dem Evangelium dieses Sonntages will Matthäus seine Gemeinde damals und uns heute einladen, Glauben als eine Beziehung zu sehen und zu leben. Diese Beziehung lebt aus der Dankbarkeit, zu sehen und wertzuschätzen, dass Gott uns alle, jeden und jede unendlich liebt und es uns nicht zusteht, über andere den Stab zu brechen, das Negative nur zu sehen, denn dann entsteht Groll und der Tod, Kälte, Dunkelheit.

Christus, der Stein, den die Bauleute verwarfen, schenkt Halt und Richtung. Er ist der Eckstein, der zur Entscheidung ruft: Er will unser freies JA zu ihm und zu meinem Nächsten, der als Geschöpf Gottes einzigartig und wertvoll ist.

Dankbarkeit schafft gelungene Beziehung. Im Blick auf unserer christliches Miteinander und im Blick auf die Bolivienpartnerschaft, also in der Partnerschaft von Christen im Bistum Trier und Christen in Bolivien braucht es ein Hinsehen, ein Lieben, ein Miteinander-Glauben, ein Einander-Helfen. Es braucht die Haltung der Dankbarkeit. Leben wir sie und der Himmel wird die Erde berühren.

  • Lesen der Bibelstelle Mt 21,33-44

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    33 Hört noch ein anderes Gleichnis:
    Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun,
    hob eine Kelter aus und baute einen Turm.
    Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land.

    34 Als nun die Erntezeit kam,
    schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seine Früchte holen zu lassen.

    35 Die Winzer aber packten seine Knechte;
    den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, wieder einen anderen steinigten sie.

    36 Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal;
    mit ihnen machten sie es genauso.

    37 Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen;
    denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben.

    38 Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander:
    Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn umbringen, damit wir sein Erbe in Besitz nehmen.

    39 Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um.

    40 Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt: Was wird er mit jenen Winzern tun?

    41 Sie sagten zu ihm:
    Er wird diese bösen Menschen vernichten und den Weinberg an andere Winzer verpachten,
    die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist.

    42 Und Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift gelesen:
    Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden;
    vom Herrn ist das geschehen und es ist wunderbar in unseren Augen?

    43 Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen
    und einem Volk gegeben werden, das die Früchte des Reiches Gottes bringt.

    44 Und wer auf diesen Stein fällt, wird zerschellen;
    auf wen der Stein aber fällt, den wird er zermalmen. 

Gebetsvorschlag

Guter Gott,
wir danken dir für alles,
was du zu unserem Leben auf der Erde wachsen lässt.
Wir danken dir für die Menschen,
mit denen wir zusammenleben,
die uns lieben und wertschätzen,
durch die wir Freude und Harmonie, gelungene Beziehungen erfahren.
Lass uns nicht nur "danke" sagen, weil es sich so gehört,
sondern wahrnehmen und erkennen,
dass Dankbarkeit unser Leben bewusst glücken lässt.
Amen.

Meditation

DANKBARKEIT

ineinander und aneinander

erfüllt das Leben

mit Glück, Freude, Harmonie.
 

DANKBARKEIT

lässt mich positiv denken,

lässt mich wertschätzen,

lässt mich anerkennen

die Einzigartigkeit des DU.
 

DANKBARKEIT

ist absichtslos,

lebt ohne Gegenleistung

in einem offenen, freudvollen Herzen,

das sich an andere verschenken will.
 

DANKBARKEIT.

In ihr begegne ich Gott,

und ich spüre Sein Herz,

das mich bedingungslos liebt.
 

UND:
 

ER will eine Antwort darauf:

IHN annehmen, bejahen,

IHN loben und bekennen,

zu IHM stehen und

von IHM alles erwarten.

und:

Absichtslos einander lieben,

einander dankbar sein.
 

(27. Sonntag im Jahreskreis Lsj A – Erntedankfest – 30.09.2020 © Christian Scheinost)