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Impuls zum 28. Sonntag im Jahreskreis

"Fürchte dich nicht,

denn ich habe dich erlöst!"

(Jesaja 43,1b)

 

(Bild: Regensburg St. Leonhard, Bodenmosaik /
© Christian Scheinost)

"Ein Christ ist jemand, der eingeladen wurde.
ozu? In einen Laden? Einen Spaziergang zu machen?
Der Christ ist derjenige, der zu einem Fest eingeladen ist, zu der Freude, gerettet zu sein, erlöst zu sein, der Freude, mit Jesus am Leben teilzuhaben!" 

Das sind Sätze einer Predigt von Papst Franziskus aus dem Jahre 2013.

Ein Christ, eine Christin lebt aus der Gnade der Erlösung. Wir Christinnen und Christen leben von einem göttlichen Geschenk, für das wir nichts leisten mussten. Jesus hat dieses Geschenk am Kreuz für alle Menschen guten Willens erwirkt: Sie, wir sind berufen und bestimmt für den Himmel.

Und: Strahlen wir das aus?

Das Ausstrahlen, erlöst zu sein, scheint mir, so meine Hypothese, ist uns Christinnen und Christen irgendwie abhandengekommen. Dabei ist es zunächst wichtig, uns zu verdeutlichen, was Erlösung überhaupt ist. Erlösung bedeutet, alle Menschen sind durch Christus vom Tod und der Gottesferne befreit worden.
"Die Evangelien beschreiben diese >Heilung< unseres verwundeten Menschseins in unterschiedlichen Facetten: Vergebung der Sünden, Versöhnung des Menschen mit Gott, Befreiung und Rettung, Heilung, Gemeinschaft und Frieden mit Gott und den Menschen," so sagt es Brigitte Haertel.

All das können wir heute und jetzt schon erfahren, indem wir auf dem Weg des Glaubens gehen, in die innere Haltung Jesu hineinfinden. Doch – so mein Eindruck – das ist schwierig geworden, denn diese innere Haltung ist verstellt durch äußere Faktoren des "Kirchenalltags", die uns viel stärker in Beschlag nehmen, nämlich kirchliche Gebote, Verbote und Gesetzmäßigkeiten, auch das Anprangern und Konstatieren von Fehlverhalten, der Machtmissbrauch und sexueller Missbrauch. Ebenfalls steht zuweilen die kirchliche Dienstleistung für Sakramente und Gottesdienste mehr im Vordergrund als die Glaubenshaltung.

Darüber hinaus dürfen wir auch nicht unterschätzen, dass Kirche, kirchliches Leben zunehmend eine eher untergeordnete Rolle im Alltag spielt.

Sehen wir alle mal in unseren persönlichen Spiegel: Wen sehen Sie da? Wer sind Sie als Christ und Christin?

Eine Frage, die auch Matthäus mit diesem heutigen Evangelium an die Christinnen und Christen seiner Gemeinde stellt. Sie waren sehr nachlässig, ja gerade "bequem" geworden, kehrten, da die Wiederkunft Christi zu ihren Lebzeiten ausblieb, zum gewohnten unchristlichen Alltag zurück. Das Füreinander einstehen verblasste und jeder war sich selbst der Nächste. Vom neuen Menschen, den sie in der Taufe angenommen hatten, war nicht mehr viel zu spüren.

Matthäus will mit dem jesuanischen Gleichnis vom Festmahl seine Gemeinde unmissverständlich darauf hinweisen, dass alle willkommen sind und es braucht über die Taufe und den Kommunionempfang hinaus noch vielmehr ein Hochzeitsgewand, eine innere Haltung, in der sie zeigen: Ich bin erlöst, ich verströme Hoffnung und Zuversicht. Christus erfüllt mein Leben.

Die Situation damals – so mein Eindruck – deckt sich irgendwie mit der heutigen und so ergeht auch an uns die unmissverständliche Einladung, Freude auszustrahlen, Hoffnung erspüren zu lassen, jedem und jeder wahrnehmen zu lassen, dass wir erlöst sind: Da ist Heilung und Geschwisterlichkeit, Versöhnung und Gerechtigkeit und darauf baut die Gemeinschaft, die Jesus mit seiner Botschaft vom Reich Gottes errichten wollte.

Wir sind alle eingeladen: Wozu? Erlöster auszusehen und Erlösung für uns selbst und andere erspüren zu lassen.

  • Lesen der Bibelstelle Mt 22,1-14

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    1 Jesus antwortete und erzählte ihnen ein anderes Gleichnis:

    2 Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete.

    3 Er schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen.
    Sie aber wollten nicht kommen.

    4 Da schickte er noch einmal Diener und trug ihnen auf: Sagt den Eingeladenen:
    Siehe, mein Mahl ist fertig, meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit.
    Kommt zur Hochzeit!

    5 Sie aber kümmerten sich nicht darum,
    sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden,

    6 wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um.

    7 Da wurde der König zornig;
    er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen.

    8 Dann sagte er zu seinen Dienern:
    Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren nicht würdig.

    9 Geht also an die Kreuzungen der Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein!

    10 Die Diener gingen auf die Straßen hinaus
    und holten alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute,
    und der Festsaal füllte sich mit Gästen.

    11 Als der König eintrat, um sich die Gäste anzusehen,
    bemerkte er unter ihnen einen Menschen, der kein Hochzeitsgewand anhatte.

    12 Er sagte zu ihm: Freund, wie bist du hier ohne Hochzeitsgewand hereingekommen?
    Der aber blieb stumm.

    13 Da befahl der König seinen Dienern:
    Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis!
    Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.

    14 Denn viele sind gerufen, wenige aber auserwählt.

Gebetsvorschlag

Gott, guter und lebensspendender König,
der du alle Menschen zum Fest des Lebens einlädst,
dein Sohn hat gesagt:
"Viele sind berufen, wenige auserwählt."
Gewähre, dass ER, Jesus dein Sohn,
unser Herz ergreife und verwandle
und uns von unserer Selbstbefangenheit befreie.
Ermutige uns im Blick auf Jesus,
mit Hoffnung und Zuversicht das Leben zu gestalten,
ein hochzeitliches Gewand der Erlösung zu tragen,
auf dass auch durch uns dein Reich,
der Himmel, die Erlösung,
ein Stück mehr gegenwärtig werden.
Amen.

Meditation

Du bist erlöst

durch den Leib und das Blut Christi;

Er ist immer bei dir

und der Tod kann dir nichts mehr anhaben.


Du bist erlöst

und eingeladen zum Fest des erfüllten Lebens –

einst im Reich Gottes, im Himmel

und auch heute schon;

Und du bist eingeladen, dieses Reich

anfanghaft auf Erden spürbar, erfahrbar zu machen.


Du bist erlöst -

ein neuer Mensch,

bekleidet mit einem himmlischen Hochzeitsgewand.

   Zeige es allen:

   Schenke Freude!

   Heile Wunden!

   Verströme Hoffnung!

   Lebe Versöhnung!

   Schaffe Gerechtigkeit und Frieden!


Du bist erlöst!


(28. Sonntag im Jahreskreis Lsj A – 09.10.2020 © Christian Scheinost)