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Weltmissionssonntag

Impuls zum 30. Sonntag im Jahreskreis

Die LIEBE ist das Wasser

geglückten Lebens!

 

(Bild: © Christian Scheinost)

Im Jahre 2004 veröffentlichten die deutschen Bischöfe einen gemeinsamen Hirtenbrief zum missionarischen Auftrag der Kirche. Darin schrieben sie: "Wir sind Missionsland geworden. Diese Diagnose, die Alfred Delp schon 1941 hellsichtig in Fulda formuliert hat, ist inzwischen >bittere Realität< geworden. (…) Das Christentum ist … zwar kulturell weiterhin präsent, aber bei vielen nicht mehr im Herzen lebendig. (…) Das ist kein Grund zum Jammern, aber auch kein Anlass, selbstgenügsam in Art einer Wagenburgmentalität einfach weiterzumachen."

Ist Deutschland Missionsland und das Christentum bei vielen nicht mehr im Herzen lebendig? Für die Antwort ist es wichtig und sinnvoll, mir bewusst zu machen, von welchem Standort aus ich das betrachte und beurteile. Jeder und jede bringt seine und ihre Lebens- und Glaubenserfahrungen mit, aus denen sie leben und das kirchliche wie alltägliche, familiäre und gesellschaftliche Leben beurteilen.

Ist Deutschland oder auch Europa, die westliche Welt, Missionsland geworden?

Was heißt Mission: Menschen gläubig machen gemäß dem Katechismus der Kirche oder Geld spenden, damit ärmere Länder kirchlich, diakonisch, missionarisch arbeiten können?

Mission heißt nicht, Gott zu verkünden, wo er nicht ist. Missionarisch sein bedeutet, den Menschen an schönen und bösen "Brunnenpunkten" des Lebens mit Gott zur Seite zu stehen, in Gemeinde, Schule, Krankenhaus, Gefängnis, Sozialstation. Mission heißt, Gott den Menschen nahebringen, Lebenssituationen deuten, die auf den ersten Blick scheinbar "nichts mit Christlichkeit" zu tun haben. Zielpunkt der "Mission" muss jeder Mensch sein! Papst Franziskus lädt in seiner Enzyklika "Fratelli tutti" zu einer Liebe ein, die alle politischen und räumlichen Grenzen übersteigt. Er nennt hier den Menschen selig, der den anderen, "auch wenn er weit von ihm entfernt ist, genauso liebt und achtet, wie wenn er mit ihm zusammen wäre".

Das ist die Kraft der Liebe, die Frieden und Versöhnung bewirken kann unter den Menschen unterschiedlichster Lebenseinstellung. Diese Liebe ist der Motor, die Armut in der Welt zu überwinden und den Hunger zu besiegen.

Matthäus spricht im Evangelium zu diesem Sonntag von Gottes- und Nächsten- und Selbstliebe als Grund allen christlichen Handelns, als Kern dessen, was Christus verkündet hat. Gottes- und Nächstenliebe als einzelne und nicht verbundene "Gebote" sind Grundfesten schon des Judentums gewesen, nachzulesen im Alten Testament im Buch Deuteronomium 6,5 und Levitikus19,18. Beide zu verbinden und darüber hinaus mit der Selbstliebe ist genuin jesuanisch. Die Liebe Gottes kennt keine Bedingungen. Wir können und wir brauchen sie uns nicht verdienen. Ohne die Liebe Gottes wären wir nicht am Leben und können wir nicht leben. Diese Liebe Gottes zulassen und darauf zu antworten, darauf kommt es an! Und die Antwort kann nur Liebe sein, den Nächsten bedingungslos in seinem "Sosein" anzunehmen. Dazu wiederum braucht es ein Annehmen meiner selbst, ein mir bewusst machen, dass ich von Gott geliebt bin, wie ich bin. Als schwacher Mensch, auch ängstlich und fixiert und besorgt um mich selbst, muss ich nicht perfekt sein. Ich darf, kann, ja muss immer erneut anfangen, mich und andere zu lieben.

Im Vertrauen auf die Liebe Gottes verändert sich das Leben. Es wird himmlischer, paradiesischer.

  • Lesen der Bibelstelle Mt 22,34-40

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    34 Als die Pharisäer hörten, dass Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte,
    kamen sie am selben Ort zusammen.

    35 Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn versuchen und fragte ihn:

    36 Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?

    37 Er antwortete ihm:
    Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen,
    mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken.

    38 Das ist das wichtigste und erste Gebot.

    39 Ebenso wichtig ist das zweite:
    Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

    40 An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.

Gebetsvorschlag

Uns liebender Gott,
Mit dir wird mir die Enge zur Weite,
denn in der äußersten Verlassenheit kann ich erfahren,
   ich bin in dir geborgen.
Im arm sein, kann ich erkennen,
   wie reich ich mit dir bin.
Weil du mich hältst, wage ich loszulassen,
   aber ich weiß, ich gehe mit dir.
Und ich spanne die Flügel des Vertrauens aus
und schenke deine Liebe, die ich selbst erfahren durfte, weiter.
So wird die Welt liebevoll, göttlich, jesuanisch.
Lass uns aus dieser deiner Kraft, aus deinem Geist der Liebe leben.
Amen.

Meditation

"ICH LIEBE DICH!"

       sagt Gott zu Dir.

Seine Liebe ist bedingungslos,

ich brauch sie mir und kann sie mir nicht verdienen.


"ICH LIEBE DICH!"

       sage Ich zu Mir.

Diese Liebe ist bedingungslos!

       Sie ist unperfekt,

lässt Schwächen und Sorgen, Ängste zu.


"ICH LIEBE DICH!"

       sage Ich zu Dir.

Diese Liebe ist bedingungslos!

       Sie braucht Dich, Mich,

       mein Herz, meine Offenheit, mein Gefühl.


DAS "ICH LIEBE DICH!"

       bohrt sich zärtlich in mein und dein Leben,

       es beflügelt, entfaltet, verwandelt,

       macht die Erde bedingungslos himmlisch.


(30. Sonntag im Jahreskreis – Lsj A – 23.10.2020 – Christian Scheinost)