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Impuls zum 32. Sonntag im Jahreskreis

"Was nicht

im Lieb-Öl brennt,

das ist

ein falsches Licht."

(Angelus Silesius)


(Bild: © Christian Scheinost)

Öl, ein Schmierstoff für einen Motor, damit er gut läuft, für ein Scharnier, für ein Türschloss, damit es stets funktioniert. Öl wie z. B. das Sonnenöl, ein Mittel zum Schutz. Öl, ein Heizstoff, der wärmt. Öl macht Salate genießbar und Backwaren geschmeidig. Duftöle erheitern die Stimmung. Ein besonderes Öl wird bei der Taufe verwendet, das Chrisam. Es macht uns deutlich, dass wir zu Gott gehören, überaus wertvoll sind.

Öl – so möchte ich es ausdrücken – lässt das Leben gelingen. Es macht das Leben schmackhaft, genießbar, gesund, heilvoll, ja sogar außergewöhnlich.

Gelingendes Leben ist das, so meine Hypothese, was sich jeder Mensch wünscht. Ein sinnvolles Leben, Frieden, Harmonie, Geschwisterlichkeit, Hoffnung, Gesundheit, Zukunft usw. umschreiben dieses gelingende Leben.

Und doch: Sehen wir auf diese Welt heute, dann verbauen sich nicht wenige Menschen in Gesellschaft, Staat und Kirche – meiner Wahrnehmung nach – ein gelingendes Leben oder erzeugen sogar eine Atmosphäre von Unfrieden, Hass, Kälte, Egoismus u.ä.

Schauen wir auf die terroristischen "islamistischen" Anschläge in den letzten Wochen in Nizza, in der Kathedrale Notre Dame, und in Wien in der vergangenen Woche. Oder: Coronakrise - Wieder zunehmende Hamsterkäufe zeigen, wie egoistisch der Mensch sein kann, obwohl alles "im Überfluss" vorhanden ist. In der Gesellschaft grassiert das große "Ich! Ich! Ich!" Diese Schlagzeile war vor drei Jahren in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung zu lesen. Manchmal kann ich mich bei allem positiven Denken dieses Eindrucks auch nicht erwehren.

Und der kirchliche Missbrauchsskandal, der "endlos" weitergeht, zeigt ganz deutlich, dass in unserem kirchlich-geschwisterlichen "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." so manches und vieles ziemlich im Argen liegt. Spürbar war ebenfalls ein starkes "Liebe dich selbst" in der ersten Umsetzung der Bistumssynode. Geld und Besitz scheiden scheinbar bis heute Christen und Christinnen.

Wir stecken in dieser Welt, in Gesellschaft und Kirche in einer Ölkrise. Der Stoff für ein gelingendes Leben scheint uns immer mehr aus den Händen zu gleiten.

Eine Erfahrung, die auch Matthäus gemacht hat. In seiner judenchristlichen Gemeinde gibt es das Problem, Heidenchristen Zugang zur Gemeinde zu gewähren. Er will die Fronten aufbrechen und die Christinnen und Christen seiner Gemeinde damals öffnen für "alle Völker", denen das Evangelium Jesu Christi gilt. Und Himmel ist für ihn weniger das Jenseits, sondern vielmehr Gottes Herrschaft hier auf Erden, so wie es Jesus in seinen Taten schon aufgerichtet hat: Die Liebe zum Grundtenor der Erlösung zu machen, zu heilen, zu verzeihen, friedlich barmherzig, geschwisterlich zu leben.

Mit dem Gleichnis von der Hochzeit und den 10 Jungfrauen will er die Menschen zur Eigenverantwortung einladen. Es geht um ein Öl, das sich scheinbar nicht teilen lässt: Es ist die tätige Liebe, die jeder und jede Einzelne nur selbst aufbringen kann und muss, damit sich die menschliche Atmosphäre verwandelt und das Reich Gottes spürbar und erfahrbar wird.

Seid wachsam, aufmerksam, damit überhaupt keine Ölkrise aufkommt oder sich wendet in ein gelingendes Leben hinein, erfüllt von Geschwisterlichkeit, Frieden, Versöhnung, liebevoll, heilvoll, für alle offen. Seid wachsam! Diese Einladung gilt uns allen. Nehmen wir sie an?! Amen.

  • Lesen der Bibelstelle Mt 25,1-13

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    1 Dann wird es mit dem Himmelreich sein wie mit zehn Jungfrauen,
    die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen.

    2 Fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug.

    3 Die Törichten nahmen ihre Lampen mit, aber kein Öl,

    4 die Klugen aber nahmen mit ihren Lampen noch Öl in Krügen mit.

    5 Als nun der Bräutigam lange nicht kam, wurden sie alle müde und schliefen ein.

    6 Mitten in der Nacht aber erscholl der Ruf:
    Siehe, der Bräutigam! Geht ihm entgegen!

    7 Da standen die Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen zurecht.

    8 Die törichten aber sagten zu den klugen:
    Gebt uns von eurem Öl, sonst gehen unsere Lampen aus!

    9 Die Klugen erwiderten ihnen:
    Dann reicht es nicht für uns und für euch;
    geht lieber zu den Händlern und kauft es euch!

    10 Während sie noch unterwegs waren, um es zu kaufen, kam der Bräutigam.
    Die Jungfrauen, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal
    und die Tür wurde zugeschlossen.

    11 Später kamen auch die anderen Jungfrauen und riefen:
    Herr, Herr, mach uns auf!

    12 Er aber antwortete ihnen und sprach:
    Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht.

    13 Seid also wachsam!
    Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.

Gebetsvorschlag

Uns Menschen zugewandter Gott,
vieles nehmen wir wichtig,
oft sogar zu wichtig, auch uns selbst.
Und dabei übersehen wir, worauf es eigentlich ankommt:
Es ist die Liebe, die sich für den anderen hingibt.
Sie ist wachsam, aufmerksam für den Himmel
und richtet ihn auf Erden anfanghaft auf.
In der Kraft deiner leibhaftigen Gegenwart
erfüllt mit dem Öl des ewigen Lebens,
wollen wir dir in unserem Leben entgegengehen.
Lass uns so mit dir und miteinander leben,
dass der Himmel auf Erden gegenwärtig wird.
Amen.

Meditation

WACHSAMKEIT!

Wachsam, -

aufmerksam, -

liebend, -

offen, -

geschwisterlich solidarisch, -

das Leben gestalten:

Das ist Menschwerdung,

so wie Gott sich den Menschen wünscht,

mit dem Lieb-Öl den Himmel auf Erden

   aufleuchten

   und ewig leuchten zu lassen.


WACHSAMKEIT

ist mein, dein,

   unser aller Profil.

Gesalbt zum König und zur Königin,

zum Priester und zur Priesterin

zum Propheten und zur Prophetin,

ist jesuanisch, christlich zu leben.

Und: Den Himmel auf Erden

durch mich lebendig werden zu lassen.


(32. Sonntag im Jahreskreis LsJ A – 05.11.2020 – © Christian Scheinost)