Damit Sie unsere Internetseite optimal nutzen können, setzen wir nur technisch notwendige Cookies (kleine Textdateien, die auf Ihrem Rechner ablegt werden). Wir sammeln keine Daten zur statistischen Auswertung. Näheres finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Impuls zum Christkönigssonntag

"Das Leben sagt: JA!"

Heike Ullmann (*1967), dt. Psychologin und Autorin


(Gartenanlage "Nepaltempel" © Christian Scheinost)

"Charme ist die Art, wie ein Mensch >JA< sagt, ohne dass ihm eine bestimmte Frage gestellt worden war." So sagt es der französische Schriftsteller, Philosoph und Religionskritiker Albert Camus.

Charme ist eine Anziehungskraft, Ausstrahlung, die von einer Person, aber auch von einer Sache oder einem Ort, ausgehen kann. Charme verzaubert und schafft eine wohltuende, wertschätzende Atmosphäre. Es ist ein "bedingungsloses JA sagen", eine positive Haltung gegenüber einem anderen Menschen einzunehmen.

JA. dieses kleine, fast unscheinbare "Wörtchen" hat eine Macht, die sich manchmal schwer begreifen lässt. "Ja" ist ein Zauberwort in unserer Sprache, denn es verwandelt zwischenmenschliche Kommunikation. Natürlich können und müssen wir nicht jeden Menschen lieben – darum geht es bei der Ja-Kultur auch nicht. Manche Gesprächspartner finden wir einfach nicht sympathisch. Das heißt aber noch lange nicht, dass wir diesen Menschen keine positiven Gefühle entgegenbringen können.

Das hört sich einfach an und fällt uns doch manchmal so schwer. Aus dem bereits erwähnten "Ja, und …" wird ganz schnell ein "Ja, aber …". Dieses ABER ist jedes Mal so etwas wie eine kleine psychologische Ohrfeige. Weil wir den Standpunkt des anderen herabwürdigen, statt ihn aufzuwerten!

Wenn jemand zu allem "Ja und Amen" sagt, wird dies, je nach Situation, in der Regel als ein Zeichen von Schwäche oder Prinzipienlosigkeit gedeutet.

Jesus Christus, Gottes Sohn, war einer der jedem Geschöpf mit "Ja und Amen" begegnet ist, der eine bedingungslose Liebe gelebt hat. Mit seiner positiven Ja-Haltung hat er die Welt in seiner Lebenszeit verändert, den Armen und Rechtlosen Wert verliehen, die Sünder in die Gemeinschaft aufgenommen und wurde deswegen von den Pharisäern und Schriftgelehrten als schwach und prinzipienlos, gottlos, hingestellt.

Diese das Leben positiv verändernde Ja-Kultur-Haltung ist der Kerninhalt des heutigen Evangeliums. Matthäus sieht in diesem Text das Testament Jesu, in dem er aufzeigt, wie die Schwestern und Brüder seiner "Kirche" miteinander leben können, damit der Himmel auf Erden anbricht.

Christsein heißt im jesuanischen Sinn nicht allein dazuzugehören, getauft sein, die Sakramente empfangen, opfern, Gottesdienste mitfeiern und beten, so wie es Cyprian von Karthago einst formuliert hat: "Extra ecclesiam salus non est." (Außerhalb der Kirche gibt es kein Heil.) Vielmehr bedeutet für IHN Nachfolge, Christ- bzw. Christin sein, "die Menschen lieben", ihnen mit Wertschätzung und positiven Gefühlen begegnen.

Dort, wo das geschieht, entsteht eine Atmosphäre, in der Jesus Christus spürbar ist, der Himmel auf Erden, und dort, wo diese Atmosphäre verhindert wird, ist Kälte, Einsamkeit, Gottlosigkeit, Hölle.

Matthäus will seine Gemeinde damals und uns heute einladen, die Welt den Himmel atmen zu lassen in unserer nahen Umgebung und in der großen Welt. Es ist der Weg, den Fremden und Flüchtlingen, den Hungrigen und Durstigen, den Gefangenen, den Kranken und Armen, den Ungeliebten und Kritikern, den Kirchenfernen und Sündern mit tätiger bedingungsloser Liebe zu begegnen, damit die Welt himmlisch wird.

Wir sind alle eingeladen, Gesegnete zu sein und die Welt zu verändern. Amen.

  • Lesen der Bibelstelle Mt 25,31-46

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    31 Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm,
    dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen.

    32 Und alle Völker werden vor ihm versammelt werden
    und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet.

    33 Er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zur Linken.

    34 Dann wird der König denen zu seiner Rechten sagen:
    Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid,
    empfangt das Reich als Erbe, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist!

    35 Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben;
    ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben;
    ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen;

    36 ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben;
    ich war krank und ihr habt mich besucht;
    ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen.

    37 Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen:
    Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben
    oder durstig und dir zu trinken gegeben?

    38 Und wann haben wir dich fremd gesehen und aufgenommen
    oder nackt und dir Kleidung gegeben?

    39 Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen
    und sind zu dir gekommen?

    40 Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch:
    Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

    41 Dann wird er zu denen auf der Linken sagen:
    Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer,
    das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist!

    42 Denn ich war hungrig und ihr habt mir nichts zu essen gegeben;
    ich war durstig und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben;

    43 ich war fremd und ihr habt mich nicht aufgenommen;
    ich war nackt und ihr habt mir keine Kleidung gegeben;
    ich war krank und im Gefängnis und ihr habt mich nicht besucht.

    44 Dann werden auch sie antworten:
    Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder fremd oder nackt
    oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen?

    45 Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch:
    Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.

    46 Und diese werden weggehen zur ewigen Strafe, die Gerechten aber zum ewigen Leben.

Gebetsvorschlag

Christus, du uns liebender König,
Du bist und warst immer für uns da.
Du liebst uns bedingungslos,
sagst JA zu uns, nimmst uns an
mit allem, was wir mitbringen,
mit unseren guten und schlechten Eigenschaften.
Als Christ und Christin wollen wir Dir nachfolgen,
stets versuchen einander anzunehmen,
zueinander - ohne aber - JA zu sagen.
So werden die Armen reich, die Kranken gesund,
die Gefangenen frei, die Hungrigen satt, die Fremden finden Heimat.
Du Christus, wirst da sein und Dein Reich lebendig.
Schenke uns dazu Deinen Geist, der das Antlitz der Erde erneuert.
Amen.

Meditation

Gott sagt JA zu Dir

   in deiner Freude,

   und in deinem Leid.


Gott sagt JA zu Dir,

   er schätzt dich wert,

   ohne "und" und "aber".


Gott sagt JA zu Dir

und lehrt dich die Liebe,

   die sich hingibt für den anderen,

   meine Mitmenschen mit seinen Augen zu sehen.


Gottes JA macht Dich stark,

   das Leben jesuanisch zu gestalten,

   dem Gegenüber positiv zu begegnen,

       zum Ihm, zu Ihr "JA" zu sagen,

   damit die Erde den Himmel atmet.


JA sagen zu Allem, was ist:

   Das verändert dich und mich,

   das verändert uns alle!


(Christkönigssonntag Lsj A – 19.11.2020 © Christian Scheinost)