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Impuls zum Hochfest Allerheiligen

GLÜCK

ist nicht eine Station,

wo man ankommt,

sondern eine Art zu reisen.

(Margaret Lee Rumbeck)

 

(Bild: © Christian Scheinost)

"Glück ist nicht, das Beste von allem zu haben, sondern das Beste aus allem zu machen." 

Dieser Spruch eines unbekannten Autors ist - so meine Wahrnehmung - eine gute Anleitung, in diesen "unruhigen Tagen unseres Lebens" Glück trotz aller negativen Schlagzeilen zu finden. Die Herausforderung unseres jetzigen Lebens ist es, das Beste aus der "Corona-Pandemie" mit all ihren Kontaktbeschränkungen eines erneuten "Lockdowns" zu machen. Ebenso gilt es auch für unsere so unfriedliche Welt, in der an vielen Orten Krieg und Konflikte herrschen. Das Beste aus allem zu machen, das braucht es auch in den Veränderungen im kirchlichen Leben, und sich dabei immer bewusst zu sein, dass uns Christinnen und Christen die Hoffnung und das Vertrauen ins Herz gelegt sind und nicht das Jammern und der Frust.

Doch: Was bedeutet es überhaupt glücklich zu sein, das Beste aus allem gemacht zu haben? Wenn wir alles in unserem Leben erreichen, besitzen, was wir uns wünschen oder vielleicht auch ein Teil davon? Eine erfüllende Partnerschaft zu haben oder einen Beruf auszuüben, der unserem Naturell entspricht? Über genügend Geld zu verfügen, um uns mit schönen Dingen umgeben zu können? Oder sind wir dann glücklich, wenn wir gesund sind? Oder …?

Das Streben nach Glück, das Streben, das Beste aus allem zu machen, ist so alt wie die Menschheit, wie die Menschen selbst und auch so unterschiedlich entsprechend den jeweiligen Lebensentwürfen. Und so steht die Frage im Raum:

Was ist für Dich, für Sie wichtig, um glücklich zu sein?

Eine Frage, die sich schon die Christinnen und Christen im ersten Jahrhundert stellen im Blick auf die Frohe Botschaft Jesu. Und Matthäus antwortet darauf mit den jesuanischen Ausführungen zur Bergpredigt.

Sie beginnt mit den Seligpreisungen und darin, so sagt es Matthäus, können wir nachspüren, dass Jesus möchte, dass Menschen glücklich werden. Denn "selig" heißt einfach "glücklich zu preisen". Es geht Jesus nicht um Gebote, den Himmel zu erwerben, sondern um eine innere Haltung zu entwickeln, eine Existenzweise des Lebens, eine Anleitung zum Glauben, zum Glücklichsein.

Alles fängt an mit leeren Händen vor Gott, arm sein. Indem ich als Mensch aufhöre, mit meinen guten Taten vor Gott aufzutrumpfen, und erkenne und spüre, dass Gott mich beschenkt mit seinen Gaben, mich erlöst, erfahre ich Leid und Trauer, weil ich so hochmütig bin und war und zugleich begrenzt bin.

Sanftmütigkeit und nicht ein Umsichschlagen, um die Defizite zu verbergen bringt mich dann voran, und meine Sehnsucht nach Hunger und Durst, nach Heil-sein und Gerechtigkeit wird ER erfüllen. Wer sich selbst erkannt hat, sein Herz gereinigt hat, wird anders mit den Menschen umgehen, barmherzig, versöhnlich, friedlich und standhalten in der Nachfolge Jesu.

Jesu Weg zu einem bewusst geglückten, zu einem "göttlichen Leben" ist ein Weg der Selbsterkenntnis und das Beste aus seinem Leben herauszuholen, sich von Gott erfüllen zu lassen, denn er schenkt den Himmel und nicht ich mit meinen, wenn auch noch so gut gemeinten, Taten.

Die Seligpreisungen sind eine Anleitung zum glücklich sein, wenn mein Leben etwas bewirkt, was über mich hinausgeht.

Wir sind alle eingeladen, Pioniere von Gottes neuer Welt zu sein.

  • Lesen der Bibelstelle Mt 5,1-12a

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    1 Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf den Berg.
    Er setzte sich und seine Jünger traten zu ihm.

    2 Und er öffnete seinen Mund, er lehrte sie und sprach:

    3 Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.

    4 Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.

    5 Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben.

    6 Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit;
    denn sie werden gesättigt werden.

    7 Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.

    8 Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen.

    9 Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.

    10 Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen;
    denn ihnen gehört das Himmelreich.

    11 Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt
    und alles Böse über euch redet um meinetwillen.

    12 Freut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel. 

Gebetsvorschlag

Uns beglückender Gott,
wir danken für die vielen Heiligen und Seligen,
für Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche,
die nach deinem Sohn schmeckten und rochen
und es ermöglichten, dass die Welt die Glückseligkeit des Himmels atmet.
Sie sind uns Vorbilder, Leitfiguren, Idole,
die uns den Weg zeigen, wie wir in dieser Welt das Glück finden,
in einem sich beschenken lassen,
in einem barmherzig, friedlich und gerecht leben.
Hilf uns als deine geliebten Söhne und Töchter
das Heilig-sein, das Glückselig-sein im Alltag fortzuschreiben,
aufdass die Welt auch durch uns heute den Himmel atmet.
Amen.

Meditation

Heilig sein, 

das beeutet,

wahrhaft glücklich zu sein,

alles von Gott erwarten,

   arm vor IHM sein

   und sich von IHM beschenken zu lassen.


Heilig sein,

das wünscht sich Gott für uns alle.

Glückselig zu sein, zu werden,

so wie wir sind,

   schwach und stark,

   auftrumpfend und arm

   fehlerhaft und sündig.


Heilig sein,

das ist

sich selbst sanftmütig anzunehmen,

und für und mit dem Anderen zu leben,

   friedlich, gerecht, barmherzig,

   Profil zeigen,

   Pioniere der neuen göttlichen Welt sein.


Heilige

leben unter uns,

neben uns und für uns,

in Familie, Nachbarschaft, Freundeskreis, Kirche:

Es sind Menschen,

   klein und unscheinbar,

   groß und für alle sichtbar,

   die die Welt nach Gott riechen lassen,

und die den Alltag verwandeln

   in ein Stück des Himmels.


(Zum Allerheiligenfest 2020 – 28.10.2020 © Christian Scheinost)