Damit Sie unsere Internetseite optimal nutzen können, setzen wir nur technisch notwendige Cookies (kleine Textdateien, die auf Ihrem Rechner ablegt werden). Wir sammeln keine Daten zur statistischen Auswertung. Näheres finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Impuls

Erscheinung des Herrn - Dreikönigsfest

GLAUBE -

Offenheit

für ein

"Mehr" 

im Leben!


(Bild: Fensterglasbild
aus der Kathedrale in Sussex England
© Christian Scheinost)

Im Deutschlandfunk gab es im August 2016 eine Sendung mit dem Titel "Welche Rolle spielt Religion heute?" Die Moderatoren führten aus: "Die Christliche Religion beeinflusst die Gesellschaft in Deutschland erheblich – nicht erst seit gestern. Sie prägt das Wertesystem der Gesellschaft durch ihre zehn Gebote bis hinein in die Gesetzgebung und in die Verfassung unseres Landes."

Ist das immer noch so? Wo steht die Kirche heute? Viele, sehr viele laufen ihr weg, wohl bemerkt der Institution und nicht dem Glauben. Das kann ich stets neu erfahren in den unterschiedlichsten Gesprächen mit älteren wie jüngeren Menschen.

Der Glaube fasziniert trotz allem. Was ist das Besondere daran?

Bei dieser Frage haben manche ganz schnell eine lange Liste zur Hand voll Regelungen, Geboten und Verboten: Den Gottesdienst besuchen, fasten und opfern, nett zueinander sein und viel spenden. Wenn man einmal Zwang und Polemik weglässt, ist nichts von dieser Liste wirklich schlecht – nur hat es mit dem Glauben rein gar nichts zu tun. Das Besondere liegt auf einer völlig anderen Ebene.

Gott braucht uns nicht für eine Regelerfüllung. Er möchte vielmehr mit uns in Beziehung treten. Er sucht uns. Er kommt zu uns. Er scheint uns auf im Leben. Das ist der Grund, weswegen Jesus Mensch geworden ist.

Glauben in der Bedeutung von "vertrauen auf …", "Rückbindung an eine höhere Wirklichkeit …", "Offensein für Transzendentes" ist die Offenheit für ein "Mehr", einen "Mehrwert" im Leben. Glaube bringt in Bewegung, denn Gottes Sohn ist nicht Mensch geworden, damit wir es uns hier einrichten oder gemütlich machen, sondern Wege gehen über uns und die Welt hinaus: Hinter das Offenkundige von der Gemeinschaft beurteilte Negative zu sehen und Menschen begleiten auf ihrem je eigenen Weg, zu Gott..

Der Evangelist Matthäus nimmt in seiner Gemeinde eine Genügsamkeit, eine Selbstgenügsamkeit wahr. Nur nicht auffallen, um nicht in den Konflikt mit Juden oder Römern zu geraten und womöglich getötet zu werden. Es ist ein sich begnügen mit dem Liebgewonnenen und zufrieden sein mit dem Bewährten. Oberflächlichkeit macht sich breit und Abstumpfung. Und so will er seine Gemeinde mit der Geschichte von den drei Weisen zu einer Aufbruchstimmung ermuntern, zu Veränderung und Risiko, neue, andere Wege zu gehen. Er beschreibt die drei Weisen als Menschen, die fasziniert von dieser Himmelserscheinung, innerlich angerührt nonverbal ausdrücken: Das kann doch nicht alles sein, dass ich nur so dahinlebe. Es muss mehr geben.

Matthäus definiert so den Glauben: Es gibt immer ein Mehr im Leben, über das Oberflächliche, Gewohnte, Sichtbare hinaus. Jesu Leben und Handeln bringt das deutlich zum Ausdruck: Er glaubte an den Menschen, schaute nicht auf das Haben und Sein, sondern begleitete ihn, erfülltes Leben zu finden, Gott zu finden.

Wenn auch wir uns vom Glauben bewegen lassen wie die Sterndeuter, dann können wir ebenfalls Wunderbares im Leben entdecken: Ein Sohn Gottes, der arm wird, damit wir reich werden, ein Erlöser, der die Schuld nicht nachträgt, ein Gott, der uns zur Seite steht und das Schwere im Leben mitträgt, wenn er auch nicht alles beantwortet, ein Gott, der mit die Kraft, die Motivation geben möchte, der Liebe ein Gesicht zu geben.

Die Einladung steht, dem Glauben Lebendigkeit zu geben und sich zu bewegen, um selbst und andere von Gott zu faszinieren.

  • Lesen der Bibelstelle Mt 2,1-12

    (Übersetzung aus der revidierte Einheitsübersetzung 2016)

    1 Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war,
    siehe, da kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem

    2 und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden?
    Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.

    3 Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem.

    4 Er ließ alle Hohepriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen
    und erkundigte sich bei ihnen, wo der Christus geboren werden solle.

    5 Sie antworteten ihm: in Betlehem in Judäa;
    denn so steht es geschrieben bei dem Propheten:

    6 Du, Betlehem im Gebiet von Juda,
    bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda;
    denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel.

    7 Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich
    und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war.

    8 Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte:
    Geht und forscht sorgfältig nach dem Kind;
    und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige!

    9 Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg.
    Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen,
    zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war;
    dort blieb er stehen.

    10 Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.

    11 Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter;
    da fielen sie nieder und huldigten ihm.
    Dann holten sie ihre Schätze hervor
    und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.

    12 Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren,
    zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.

Gebetsvorschlag

Gott, Anfang und Ziel unseres Lebens,
Jesus Christus, dein Sohn, Licht der Völker,
ist der Welt erschienen:
nicht in der Macht eines Herrschers,
sondern in der Ohnmacht deiner wehrlosen Liebe.
Gib uns die Kraft, immer wieder aufzubrechen
und ihn dort zu suchen, wo du ihn uns finden lässt,
im Gewohnten und im Fremdartigen des Lebens,
in der Kirche, in unserem Land, und auf der ganzen Welt,
besonders aber in den Ärmsten der Armen.
Mache uns offen für die Menschen,
und demütig wie die Sterndeuter,
damit wir nach Christus fragen und deiner Botschaft folgen,
wenn es sein muss, auch auf anderen und neuen Wegen.
Amen.

Meditation

GLAUBE

bewegt

zum Aufbruch,

zu Wegen, die wir noch nie gegangen sind,

die in den Sackgassen zum Ziel führen.


GLAUBE

bewegt

Menschen, Männer und Frauen,

Caspar, Melchior und Balthasar,

aufzubrechen und sich zu verändern,

hinter sich zu lassen und loszulassen,

zu suchen,

und

im Gewohnten und Ungewohnten,

im Fremdartigen und Andersartigen,

im scheinbar Negativen und im Neuen

DEN zu finden,

der meinem Leben Rückhalt gibt,

der Hoffnung gibt,

der ein tragender Grund ist:

JESUS CHRISTUS.


GLAUBE

bewegt

mich und dich - uns alle,

offen zu sein für ein "Mehr" im Leben,

das wir hinter dem Sichtbaren,

unter der Oberfläche des Gewohnten,

erfahren, erspüren.


Glaube,

und durch dich verändert sich das Angesicht der Erde.


(Hochfest Erscheinung des Herrn – Dreikönigsfest Lsj  B – 07.01.2021 © Christian Scheinost)